Evangelisch-Lutherische Kirche St. Peter und Paul, Oberweimar
Die Kirche St. Peter und Paul in Oberweimar ist vermutlich die älteste unter den
Kirchen Weimars.
Sie geht auf die Klosterkirche eines früheren Frauenklosters in Oberweimar zurück.
Bereits seit den Anfängen der Kirchenorganisation des Thüringer Gebietes im 8. und 9.
Jahrhundert hat hier wohl eine Siedlung bestanden, die auch bereits eine Kirche besaß.
Zwischen 1242 und 1244 gründeten die
Grafen von Orlamünde - zu deren Herrschaft zwischen 1170 und 1372 die Gegend
um Weimar zählte - in Oberweimar ein Kloster, das für sie als Hauskloster und Grablege
fungieren sollte.
Urkundlich ist ein Zisterzienserinnenkloster in Oberweimar erstmals 1244
in einer Schen-kungsurkunde des Mainzer Bischofs
Siegfried III.
erwähnt. Bereits aus dem Jahre 1247 liegt eine Urkunde von
Papst Innozenz IV. vor,
die allen Gläubigen der Mainzer Diözese einen vierzigtägigen Ablass für Spenden für die
Oberweimarer Kirche versprach. In den Jahren 1248 bis 1283 wurde die Kirche erbaut.
Eine Bischofsurkunde bezeugt, dass die Kirche am 11. August 1281 den Heiligen Petrus und
Paulus geweiht worden ist.
Seit dem Ende des 13. Jahrhunderts war Oberweimar Sitz eines Erzpriesters in Verbindung mit
dem Kloster. Allerdings verloren nach 1346 die Grafen von Orlamünde ihre Selbständigkeit, so
dass seit 1372 Oberweimar unter die Herrschaft der
Wettiner gehörte. Das Zisterzienserinnenkloster
wurde durch Schenkungen vermögend und hatte in vielen Orten der Umgebung Besitzungen. Anstelle der
ersten Klosterkirche errichtete das Kloster ein neues Gotteshaus, das 1361 vollendet war.
Von daher stammt der heutige Saalbau. Zwischen 1514 und 1517 ließ die letzte Äbtissin für 300
Gulden einen Turm über den Papierbach bauen, der bis heute eine Besonderheit der Oberweimarer
Kirche darstellt. Das Oberweimarer Kloster wurde noch einmal 1524 durch eine Flugschrift
Martin Luthers bekannt, in der Luther über
die Oberweimarer Nonne Florentina schrieb.
Das Kloster wurde aber im Zuge der Refor-mation bereits 1525 aufgelöst. Ein evange-lischer Pfarrer übernahm
die Gemeinde, die Klosterkirche wurde evangelische Pfarrkirche. Das Propsteigebäude wurde Pfarrhaus und das
große, angrenzende Klostergut kurfürstliches Kammergut der Ernestiner. Von den 26 Nonnen blieben sechs mit
Versorgungsrecht in den klösterlichen Gebäuden. Die berühmte
"Thüringer Sintflut" im Jahr 1613
hinterließ auch an den kirchlichen Gebäuden in Oberweimar Schäden.
Stärkere Veränderungen an der Kirche gab es im 18. Jahrhundert, als 1733 unter der Aufsicht von des herzoglichen
Landbaumeisters Johann Adolf Richter das heutige Mansarddach, das hölzerne Tonnengewölbe errichtet und die barocke
Innenausstattung eingefügt wurde. Erst im Jahre 1898 wurde die Kirch erneut unter der Leitung von Baurat
Wilhelm Wittchen renoviert und instandgesetzt. Dabei wurden auch die Fresken der heiligen Ursula und des
heiligen Antonius freigelegt, die jetzt im Altarraum zu sehen sind.
In den Jahren 1940 und 1983-1985 wurde jeweils das Kirchendach neu gedeckt. 1902, 1929 und 1958 wurden die
Glocken erneuert. Eine Innenerneuerung erfolgte 1985 unter Leitung des Restaurators Horst Jährling, dabei wurden
an der Chorwand ein Weihekreuz freigelegt. Zuletzt wurde die Kirche seit 2004 umfassend renoviert, u. a. wurden
der Fußboden, die Beleuchtung und die gesamte Elektrik der Kirche erneuert.
Nachdem das Gut nach 1945 in den Besitz einer landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft übergegangen war, hat in jüngster Zeit die Freie Waldorfschule Weimar den alten Kornspeicher und andere Gebäude aus dem Klosterkomplex für ihre Schule erworben. Der imposante Kirchenbau aber mit seinem dreiseitigem Chorabschluss, den zum Teil noch erhaltenen gotischen Fenstern, dem barockem Mansardendach und einem schieferbekrönten Westturm bestimmt bis heute den Ortskern von Oberweimar.
Als Kirche eines ehemaligen Zisterzienserinnenklosters ist St. Peter und Paul vertreten in der Gemeinschaft Evangelischer Zisterzienser-Erben in Deutschland.